Abteilungsleiter Natur Oliver Conz zu Besuch

Oliver Conz (l.) und Hans Joosten stehen in der Bibliothek am Tisch und weisen gemeinsam auf eine Broschüre.
Oliver Conz (l.) und Hans Joosten tauschen sich anhand einer Broschüre über das Rote Moor über
ihren gegenseitigen Bekannten Gisbert Große-Brauckmann aus. (Foto: Franziska Tanneberger)

Am 5. Dezember besuchte Oliver Conz (*1967 in Frankfurt am Main) als Gast des Greifswald Moor Centrum die Moorbibliothek. Oliver ist Jurist, leidenschaftlicher Vogelkundler und Vogelbüchersammler, Naturschützer und Politiker. Er verbrachte seine Kindheit in Liederbach am Taunus in Hessen, leistete seine Zivildienst bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie ab, war seit 2008 Vorsitzender der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz und seit 2011 Vorsitzender des Rats der Stiftung Hessischer Naturschutz. Ab 2019 war er Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Seit September 2025 ist er – als Leiter der Abteilung „Naturschutz, Nachhaltige Naturnutzung, Natürlicher Klimaschutz“ des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit – der höchste Naturschutz-Beamte im Bund.

Zur Veranschaulichung seiner Beziehung zur Moorbibliothek hatten wir die nachfolgenden Publikationen aus unserer Sammlung ausgewählt:

  • Stobbe, Astrid 1996. Die holozäne Vegetationsgeschichte der nördlichen Wetterau. Paläoökologische Untersuchungen unter besonderer Berücksichtigung anthropogener Einflüsse.
  • Böger, Karsten 1991. Grünlandvegetation im Hessischen Ried: pflanzensoziologische Verhältnisse und Naturschutzkonzeption.
  • Strickler, Martin 1993. Die Erforschung der Pflanzenwelt des ehemaligen Moorgebietes Hengster durch Martin Dürer von 1882 bis 1912
  • Große-Brauckmann, Gisbert 1986. Das Rote Moor.
  • Jenrich, Joachem & Kiefer, Willy 2012. Das Rote Moor: ein Juwel in der Hochrhön.
  • Minister für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz Hessen 1984. Naturnahe Gewässer in Hessen.
    • Publikationen über die Moor- und Feuchtgebietsnatur in Hessen und deren Schutz, einschließlich der Paläoökologie der Wetterau – nah am Gebiet in dem Oliver Conz seine Jugend verbracht hat –, sowie ausgiebige Beschreibungen des Roten Moores, dem berühmtesten Hochmoor Hessens.
  • Langgässer, Elisabeth 1959. Gang durch das Ried: Roman.
    • Über einen französischen Fremdenlegionär, der seinem Namen und sein Selbst verloren hat und durch die hessische Riedlandschaft streift ohne Identität. Die Begegnung mit Menschen auf einem Hof, wo er als Knecht Aufnahme findet, und das Erstarken seiner Fähigkeit, den Elendsten unter ihnen Liebe entgegenzubringen, lassen ihn wieder ins Leben zurückfinden.
  • Ebbmeyer, Rosemarie 2015. Später wird`s schöner. Skizzen einer Kindheit im Ried.
    • Schilderung über eine Kindheit in den 50er und 60er Jahren im hessischen Ried, „dort wo nichts los war“.
  • Mylow, Daniel 2017. Rotes Moor. Thriller.
    • Thriller über die hessische Rhön, die zum Schauplatz eines mysteriosen Verschwindens eines Mädchens wird. 27 Jahre später findet ein Torfarbeiter das Skelett eines Menschen im Roten Moor. Was als Lösung eines Vermisstenfalls beginnt, entpuppt sich als archäologische Sensation.
  • Peus, Fritz 1932. Handbuch der Moorkunde, Die Tierwelt der Moore: unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Hochmoore
    • Klassische Arbeit der Moorzoologie. Aus der Serie „Handbuch der Moorkunde“, die der Greifswalder und Rostocker Professor Kurd von Bülow – nach seiner Dissertation „Das Kieshofer Moor bei Greifswald“ (1921) – herausgegeben hat. Von den geplanten zehn Bänden wurden vier Bände veröffentlicht: Allgemeine Moorgeologie (1929), Die Tierwelt der Moore (1932), Peat deposits in USA (1933) und Die Moore Osteuropas und Nordasiens (1938) (alle in der Moorbibliothek).
  • Schulze-Hagen, Karl & Geus, Arnim 2000. Joseph Wolf (1820 – 1899). Tiermaler = Animal Painter.
    • Sehr schönes Buch über den Autodidakt Joseph Wolf (1820–1899), der als der bedeutendste Vogel- und Tiermaler seiner Zeit gilt. Es wurde verfasst vom vielseitigen Gynäkologen und Ornithologen Karl Schulze-Hagen, der auch für seine Arbeit an Rohrsängern bekannt ist.
  • Rybníček, Kamil & Havlíc̆ek, Pavel 1989. The XIIth International Meeting of European Quaternary Botanists : Czechoslovakia, 5 – 15th of June, 1989 – excursion guide
    • Exkursionsführer, währenddessen der Hessischer Moorkundler und Naturschutzer Gisbert Große-Brauckmann drohte als Vorsitzender der Sektion Geowissenschaften der Deutschen Gesellschaf für Moor- und Torfkunde (DGMT) zurückzutreten, es sei, dass Hans den Vorsitz der Schwestersektion Naturschutz und Raumordnung übernehmen würde. Als Hans sich weigerte – er hatte bereits genug am Hut – wurde er regelrecht bestochen. Alle Doubletten, die Gisbert bei seinem Abschied als Moorbotaniker aus der Bibliothek der Bremer Moorversuchsstation mitgenommen hatte, würde Hans bekommen. Dann hat Hans zugesagt… Und nach Gisberts Tode (2001) hat Hans seine gesamte Bibliothek geerbt, die voller Klassiker und Ostliteratur war. Mit persönlichen Briefen und Widmungen von Moorikonen aus West und Ost. Denn Gisbert hatte über alle Jahre hinweg den Austausch mit Ostdeutschland, mit Polen, mit der Tschechoslowakei, mit der Sowjetunion, gepflegt… Die Große-Brauckmann Sammlung ist der Grundstock unserer Moorbibliothek.
  • Joosten, H. 1997. Gisbert Grosse-Brauckmann. Träger der C.A. Weber-Medaille. Telma 27: 1114.
    • Als Gisbert dann im Jahr 1997 das Amt des Vorsitzenden der DGMT-Sektion niederlegte, wurde ihm die höchste Ehrung der DGMT verliehen: die nach seinem illustren Vorgänger im Bremer Moorversuchsstation benannte C.A. Weber Medaille.
      Hans hielt dazu die Laudatio.
  • Couwenberg, J. & Joosten, H. (eds.) 2002. C.A. Weber and the Raised Bog of Augstumal – with a translation of the 1902 monograph by Weber on the “Vegetation and Development of the Raised Bog of Augstumal in the Memel delta”.
    • Die Übersetzung und Bearbeitung der klassischen Moormonografie von C.A. Weber wurde 2002 dem 2001 verstorbenen „Freund und Lehrer“ Gisbert Grosse-Brauckmann gewidmet.

Oliver Conz erzählte von den Spannungen, die es im Hessischen Naturschutz gegeben hat zwischen seinem Ziehvater im Naturschutz, dem dominanten und unnachgiebigen Kaufmann und Ornithologe Willy Bauer (1930-1991) und Gisbert Große-Brauckmann (1926-2001), der ähnlich getrieben, aber ein eher intellektualistischer, sanfter und bescheidener Botaniker war. Unter sich nannten sie ihn Gisbert Große-Brachvogel.

Gerade diese Vielfalt an Charakteren ist es, die der Naturschutz braucht, um die Natur effektiv zu schützen…