Autor: Hans Joosten

  • Die Alben von Evelyn

    Evelyn Bechinka-Pettinger (1939-2023) bei unserem letzten Treffen am 6. August 2020.

    Der neue Standort der Moorbibliothek wurde zwar neulich offiziell eröffnet, doch wir sind noch immer damit beschäftigt, die Bücher von den verschiedenen alten Standorten dorthin zu verlegen. Kurz vor Weihnachten 2025 entdeckten wir in einem obskuren Raum in der Soldmannstraße 23 eine größere Anzahl bisher übersehener Kartons. Ich nahm an, dass es sich dabei um Bücher von Prof. Antoine Cleef handele, die Henri Hooghiemstra am 6. August 2020 bei Andre Jansen und Ella de Hullu in Zutphen (Niederlande) vorbeigebracht und die wir dort abgeholt hatten.

    Als ich einen der Kartons öffnete, waren darin aber keine Bücher, sondern fünf große Alben. Antoine‘s Familienfotos, dachte ich sofort. Aber nein: Das erste Album zeigte die Ankündigung und Bildern der Hochzeit von Evelyn und Friedrich Bechinka-Pettinger. Wir müssen am selben Tag versehentlich diesen Karton zusammen mit 22 andern aus der Scheune von Evelyn in Zutphen mitgenommen haben. Es war ihr letzter großer Bücherverkauf…

    Das gefundene Familien-Fotoalbum zwischen den Bücherkisten

    Scientia

    Mit Evelyn hatte ich schon seit Anfang 1990er Jahren, d.h. als ich noch in den Niederlanden wohnte, Kontakt. Im Laufe der Jahrzehnten haben wir mehrere Tausend Bücher über ihr Geschäft Scientia in Zutphen erworben. Aus gutem Grund: Scientia hob sich als Antiquariat in mehrfacher Hinsicht hervor:

    • Es hatte eine unübertroffene Sammlung von Büchern aus der Sowjetunion und anderen Ostländern.
    • Die Bücher wurden zu sehr fairen Preisen angeboten (oft für weniger als die Hälfte oder sogar ein Fünftel der Preise der großen Konkurrenten).
    • Die Betreuung war persönlich und liebevoll. So schickte Evelyn die Bestellungen von Bocholt in Deutschland aus (immerhin über 50 km von Zutphen entfernt), um den Kund*innen Portokosten zu ersparen.


    Evelyn und Frits Bechinka-Pettinger hatten Scientia in 1967 als “Hobbygeschäft” gegründet, kurz nachdem sie 1964 geheiratet hatten. Evelyn (* 1939) stammte ursprünglich aus Möser bei Magdeburg (Ostdeutschland), wo ihre Familie früher die Feldschlösschen-Brauerei inne hatte. Frits (Friedrich Franz) wurde in 1941 in Svitavy (Zwittau, „Sudetenland“) im heutigen Tschechien geboren und kam 1945 mit seiner Mutter als Heimatvertriebener in die Niederlande. Er wurde 1965 zu Niederländer eingebürgert, da seine „derzeitige Staatsangehörigkeit nicht festgestellt werden konnte“.

    Der Osten war nicht nur ihre Herkunft, sondern auch die Quelle ihres üppigen, spezialisierten Bücherangebots. Frits reiste regelmäßig mit Zug und Rucksack in den Osten, vor allem nach der Wende, als viele wissenschaftliche Institutionen zusammenstürzten und die Bibliotheken als Altpapier verschachert wurden. Große Pakete mit Büchern kamen auch per Post nach Zutphen.

    Und alles wurde wiederverwendet. Ich erinnere mich noch daran, wie die bei mir eingehenden Scientia-Bücherpakete immer eine doppelte Überraschung beinhalteten. Zunächst natürlich die Bücher. Diese waren in festem braunen Packpapier verpackt und mit einem Flachs-Schnur zusammengebunden, wie sie die heutigen Sortierautomaten nicht mehr verarbeiten können. Auf der Außenseite des Packpapiers stand dann meine Adresse, auf der Innenseite – oft in unsicherer Handschrift – die von Scientia, Zutphen, Niederlande. Die Innenadresse war immer umgeben von ausländischen Briefmarken, oft plakatweise Russischen Kopeken-Standardmarken, aber auch thematischen Sondermarken in großer Vielfalt. Als ob die Absender nicht nur ihre Büchersammlung, sondern auch ihre wertvolle Briefmarkensammlung zu Geld hätten machen müssen. Das Papier ging bei uns in den Kreislauf, die Schnüre (sowie die üppigen Gummibänder) wurden zur Wiederverwendung aufgehoben. Und die Briefmarken? Die fanden ihren Weg zum Irish Peatland Conservation Council, das noch immer Briefmarken sammelt um Moore in Irland zu retten
    (https://www.ipcc.ie/help-ipcc/save-stamps/).

    Von Zutphen in die Moorbibliothek

    Eigentlich hatten Evelyn und Frits im Jahr 2000 mit ihrem Laden aufhören wollen.

    „Aber wir konnten uns einfach nicht davon trennen,“ schrieb Evelyn, „und wir beschlossen, noch eine Weile weiterzumachen. Keine neuen Vorräte, aber alles noch einmal anbieten.”

    Und als Frits in 2005 gestorben war, machte Evelyn allein weiter

    „Dienstag, 06. Dezember 2005: Diese Woche wird deine Bestellung verschickt. Die Arbeit tagsüber hilft mir sehr. Und Frits wird stolz darauf sein.“

    Dank Rabattangebote konnte sie einiges verkaufen. Sie versuchte, neben alten Kunden auch neue zu finden: „Kennen Sie vielleicht (vor allem in der ehemaligen DDR, wo Russisch „gelernt werden musste”) Institute, Bibliotheken oder Privatpersonen, denen ich Paläontologie, Geologie, Zoologie und Botanik mit Rabatt anbieten könnte?“ In 2010 schrieb sie, dass nicht viel mehr lief.

    „Aber die Bücher stehen mir nicht im Weg – ich kann sie nicht wegwerfen, auch gegenüber Frits kann ich das nicht. Dennoch wird der Tag kommen.“

    Diese Ankündigung war Anlass ihr gesamtes Angebot nochmal durchzugehen. Und ich habe mich wieder darüber gewundert, was für eine schöne Kollektion Fritz und Evelyn zusammengebracht hatten: „Meine Liste ist letztendlich ziemlich lang geworden, weil mein Interesse immer größer wird, aber auch, weil eure Preise sehr günstig sind (vor allem mit dem 50 %-Rabatt!).“ Und wieder gingen 200 Bücher von Zutphen nach Greifswald. Und in 2013 folgten nochmal 400. Diese letzte Sendung feierte Evelyn dann abends mit dem Bild von Fritz geschmückt mit einer kleinen Flagge und dem Abspielen der Tschechischen Nationalhymne …

    April 2019 meldete sie, dass

    „das Alter und mein Herz nicht mehr so mit machen, wie ich es gerne hätte. Aber ich versuche, gesund zu leben und viel draußen zu sein. Das ändert jedoch nichts daran, dass ich mir in Zukunft eine kleinere, praktische Wohnung oder ein Apartment im Stadtzentrum suchen muss. Solange ich es hier noch schaffe, werde ich das nicht tun. Bei einem Umzug kann ich natürlich nicht mein Geschäft mit dem gesamten Lagerbestand mitnehmen. Leider müssen die Bücher bei Nichtverkauf in den Altpapiercontainer. Bald werde ich dies mit meinem ältesten Sohn besprechen und alten Kunden E-Mails schicken, auch mit der Mitteilung über den neuen Rabatt bei Bestellungen. Aber ich wollte dir dies schon früher mitteilen.“

    Beispielseiten der üppigen Katalogen aus 2019.

    Ich versprach ihre neuesten Listen durchzunehmen und auch Kollegen sowie befreundete Antiquariaten darauf hin zu weisen um so möglichst viele Bücher zu retten. Bis April 2020 konnten wir so schon 627 Bücher für Greifswald identifizieren und (für lediglich 1.205,00 €…) bestellen.

    Mai 2020 meldete Evelyn sich wieder:

    “In letzter Zeit bin ich immer öfter ohnmächtig geworden und am 22. März kam ich ins Krankenhaus. Corona-Test (wurde für gesund befunden), Infusion (Herzfrequenz) und zwei Tage später hatte ich einen Herzschrittmacher. Am nächsten Tag: nach Hause. Das war alles ein bisschen zu viel. Innerhalb eines halben Jahres jetzt dreimal im Krankenhaus. Aber es wird schon alles gut, wahrscheinlich im Juni, du hörst dann von mir. Aber die Grenzen sind immer noch geschlossen.“ „Ja, schade“, seufzte sie weiter, „dass es niemanden gibt, der die komplette Sammlung übernehmen kann. Aber mit euren Bestellungen habt ihr mir sehr geholfen. Andere haben auch noch bestellt, schön, doch? 2020 war das Jahr, das ich mir vorgestellt hatte. Jetzt ist es auch besser für mich.“

    Am 10 Juli 2020, als die Zahl der Covid-Erkrankungen ein (zeitliches) Minimum erreichte, schrieb sie:

    „Ist bei euch, den Kindern und den Kollegen alles in Ordnung? Ich hoffe es. Bei uns ist glücklicherweise nichts passiert und wir hoffen, dass es so bleibt. Ich komme noch einmal auf die Bücher für dich zurück. Wäre es möglich, dass du sie in nicht allzu langer Zeit abholst? Würdest du einen Kleinbus organisieren können? Denn in den Sommerferien können (müssen!!) mir meine Kinder helfen, die restlichen Bücher nach unten zu bringen. Ich habe mit jemandem aus der Kirche vereinbart, dass er sie dann (sorry) zum Altpapier bringt. Es geht einfach nicht anders.”


    Am 6. August fuhren dann John und ich von Greifswald nach Zutphen, wo wir gegen 16 Uhr bei Evelyn eintrafen, Tee mit Keksen tranken und gemütlich plauderten. Evelyn zeigte uns ihren Dachboden voller Bücher, einige nahmen wir noch extra mit, und dann stauten wir die Kartons (offenbar eins zu viel…) in den Kleinbus.

    John Couwenberg und Evelyn Bechinka-Pettinger mit voll gestautem Kleinbus, 6. August 2020.

    Am Wochenende von 22. und 23. August hielfen die Evelyn’s Kinder die Restbeständen zu entsorgen:

    „Dieses Wochenende, mit dem Wegwerfen der Bücher, ist doch ein schwieriger Schritt für mich, und ich bin ziemlich holder-de-bolder.“ Einige Wochen später sandte sie noch, zusammen mit einer Nachbestellung, die Lehrbücher von Fritz.

    „Hallo Evelyn, das Paket ist gestern angekommen. Vielen Dank für die russischen Bücher, die ich nutzen werde, um mein Russisch aufzufrischen, was ich ohnehin nach meiner Pensionierung vorhatte ;-). Als ich die anderen Bücher sah, tat es mir wieder weh zu erkennen, wie viele schöne Bücher im Altpapier gelandet sind. Aber wir haben alles versucht, es gab keine andere Lösung.“

    Ende 2025: Beim Googlen ihrer neuen Adresse kurz vor Weihnachten erfuhr ich, dass Evelyn am 24. Januar 2023 gestorben war. Es hat mich traurig gemacht…

    Ihre Foto-Alben sind inzwischen bei ihren Kindern eingetroffen.

    Ihre Bücher bleiben in der Moorbibliothek: Für immer…

  • The books of the month / die Bücher des Monats

    Bei jedem monatlichen Treffen des Greifswald Moor Centrum präsentiert die Moorbibliothek eine Auswahl von Büchern, die in den Wochen zuvor eingetroffen sind. Damit veranschaulichen wir die Vielfalt der Themen, Sprachen, Zeiten und Herkünfte, die wir abzudecken versuchen. Es ist nur ein Auswahl, aber sie vermittelt einen Eindruck.

    Die Bücher des Monats von Januar 2026 waren: 

    • Jensen, U. 1959. Die Pflanzengesellschaften des Sonnenberger Moores im Oberharz, ihre Verteilung und ihre wahrscheinlichen ökologischen Bedingungen. Hausarbeit zur fachwissenschaftlichen Prüfung Wintersemester 1958/1959 89 p. + Anhang. Durchschlag-Manuskript mit Originalfotos. (Aus dem Nachlass von Uwe Jensen).
    • Schwaar, J. 1978. Moorkundliche Untersuchungen am Laugarvatn (Südwest-Island). Berichte aus der Forschingsstelle Nedri Äs Hveragerdi (Islkand) Nr. 29, 19 p. (idem)
    • Houlihan, P. F. & Goodman, S. M. 1986. The birds of ancient Egypt. Aris & Phillips, 191 p. (Zur Wahrnehmung von Feuchtgebieten in alten Kulturen) 
    • Meyers, J.  1993. Domela, een hemel op aarde. Open Domein, Arbeiderspers, Amsterdam, 438 p. (Über den niederländischen lutherischen Pfarrer, Politiker, Sozialanarchisten und Antimilitaristen Ferdinand Domela Nieuwenhuis, 1846 – 1919. Er erhielt für seinen Einsatz für die friesischen Torfarbeiter den Spitznamen Ús Ferlosser)
    • Rozema, A. 2003. De leeuwerik jubelt – Verhalen van drie generaties vrouwen in het veen. Boon, Groningen, 260 p. (Mit der Lerche über dem Moor als Symbol der Freiheit erzählt dieses Buch die Geschichten von drei Generationen Frauen im Moor in Südost-Drenthe, NL) 
    • van Koeveringe, G. 2010. De heren en hun veen – Het verhaal van de Dekema-, Cuyck- en Foeyts-veencompagnie en het ontstaan van Heerenveen in de periode van 1551-1605. Dietinchem, 136 p. (Über die Geschichte einiger großen Torfunternehmen)
    • Mizuno, K., Kozan, O. & Gunawan, H. 2023. Vulnerability and transformation of Indonesian peatlands. Springer, 222 p. (Über die Degradation und Restaurierung indonesischer Moore unter Berücksichtigung der Aspekte Resilienz, Vulnerabilität, Anpassung und Transformation)
    • Okamoto, M., Osawa, T, Prasetyawan, W. & Binawan, A.  (eds.) 2023. Local governance of peatland restoration in Riau, Indonesia – A transdisciplinary analysis. Springer,  333 p. (Lokale und regionale Governance Perspektive in Riau, der Provinz Indonesiens mit der größten Moorvernichtung)
    • Toomey, Lily 2026. “A national resource of primary importance:” Transforming Ireland’s peatlands in the twentieth century. PhD thesis Trinity College Dublin, 377 p. (Über den Wandel in der Betrachtung und Nutzung der Torfmoore Irlands, von einem traditionellen Brennstoff zu einem wichtigen nationalen Gut für Energie und Entwicklung. Lily hat für ihre Arbeit auch in der Moorbibliothek geforscht). 
  • Abteilungsleiter Natur Oliver Conz zu Besuch

    Oliver Conz (l.) und Hans Joosten stehen in der Bibliothek am Tisch und weisen gemeinsam auf eine Broschüre.
    Oliver Conz (l.) und Hans Joosten tauschen sich anhand einer Broschüre über das Rote Moor über
    ihren gegenseitigen Bekannten Gisbert Große-Brauckmann aus. (Foto: Franziska Tanneberger)

    Am 5. Dezember besuchte Oliver Conz (*1967 in Frankfurt am Main) als Gast des Greifswald Moor Centrum die Moorbibliothek. Oliver ist Jurist, leidenschaftlicher Vogelkundler und Vogelbüchersammler, Naturschützer und Politiker. Er verbrachte seine Kindheit in Liederbach am Taunus in Hessen, leistete seine Zivildienst bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie ab, war seit 2008 Vorsitzender der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz und seit 2011 Vorsitzender des Rats der Stiftung Hessischer Naturschutz. Ab 2019 war er Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Seit September 2025 ist er – als Leiter der Abteilung „Naturschutz, Nachhaltige Naturnutzung, Natürlicher Klimaschutz“ des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit – der höchste Naturschutz-Beamte im Bund.

    Zur Veranschaulichung seiner Beziehung zur Moorbibliothek hatten wir die nachfolgenden Publikationen aus unserer Sammlung ausgewählt:

    • Stobbe, Astrid 1996. Die holozäne Vegetationsgeschichte der nördlichen Wetterau. Paläoökologische Untersuchungen unter besonderer Berücksichtigung anthropogener Einflüsse.
    • Böger, Karsten 1991. Grünlandvegetation im Hessischen Ried: pflanzensoziologische Verhältnisse und Naturschutzkonzeption.
    • Strickler, Martin 1993. Die Erforschung der Pflanzenwelt des ehemaligen Moorgebietes Hengster durch Martin Dürer von 1882 bis 1912
    • Große-Brauckmann, Gisbert 1986. Das Rote Moor.
    • Jenrich, Joachem & Kiefer, Willy 2012. Das Rote Moor: ein Juwel in der Hochrhön.
    • Minister für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz Hessen 1984. Naturnahe Gewässer in Hessen.
      • Publikationen über die Moor- und Feuchtgebietsnatur in Hessen und deren Schutz, einschließlich der Paläoökologie der Wetterau – nah am Gebiet in dem Oliver Conz seine Jugend verbracht hat –, sowie ausgiebige Beschreibungen des Roten Moores, dem berühmtesten Hochmoor Hessens.
    • Langgässer, Elisabeth 1959. Gang durch das Ried: Roman.
      • Über einen französischen Fremdenlegionär, der seinem Namen und sein Selbst verloren hat und durch die hessische Riedlandschaft streift ohne Identität. Die Begegnung mit Menschen auf einem Hof, wo er als Knecht Aufnahme findet, und das Erstarken seiner Fähigkeit, den Elendsten unter ihnen Liebe entgegenzubringen, lassen ihn wieder ins Leben zurückfinden.
    • Ebbmeyer, Rosemarie 2015. Später wird`s schöner. Skizzen einer Kindheit im Ried.
      • Schilderung über eine Kindheit in den 50er und 60er Jahren im hessischen Ried, „dort wo nichts los war“.
    • Mylow, Daniel 2017. Rotes Moor. Thriller.
      • Thriller über die hessische Rhön, die zum Schauplatz eines mysteriosen Verschwindens eines Mädchens wird. 27 Jahre später findet ein Torfarbeiter das Skelett eines Menschen im Roten Moor. Was als Lösung eines Vermisstenfalls beginnt, entpuppt sich als archäologische Sensation.
    • Peus, Fritz 1932. Handbuch der Moorkunde, Die Tierwelt der Moore: unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Hochmoore
      • Klassische Arbeit der Moorzoologie. Aus der Serie „Handbuch der Moorkunde“, die der Greifswalder und Rostocker Professor Kurd von Bülow – nach seiner Dissertation „Das Kieshofer Moor bei Greifswald“ (1921) – herausgegeben hat. Von den geplanten zehn Bänden wurden vier Bände veröffentlicht: Allgemeine Moorgeologie (1929), Die Tierwelt der Moore (1932), Peat deposits in USA (1933) und Die Moore Osteuropas und Nordasiens (1938) (alle in der Moorbibliothek).
    • Schulze-Hagen, Karl & Geus, Arnim 2000. Joseph Wolf (1820 – 1899). Tiermaler = Animal Painter.
      • Sehr schönes Buch über den Autodidakt Joseph Wolf (1820–1899), der als der bedeutendste Vogel- und Tiermaler seiner Zeit gilt. Es wurde verfasst vom vielseitigen Gynäkologen und Ornithologen Karl Schulze-Hagen, der auch für seine Arbeit an Rohrsängern bekannt ist.
    • Rybníček, Kamil & Havlíc̆ek, Pavel 1989. The XIIth International Meeting of European Quaternary Botanists : Czechoslovakia, 5 – 15th of June, 1989 – excursion guide
      • Führer der Exkursion, währenddessen der Hessischer Moorkundler und Naturschutzer Gisbert Große-Brauckmann drohte als Vorsitzender der Sektion Geowissenschaften der Deutschen Gesellschaf für Moor- und Torfkunde (DGMT) zurückzutreten, es sei, dass Hans den Vorsitz der Schwestersektion Naturschutz und Raumordnung übernehmen würde. Als Hans sich weigerte – er hatte bereits genug am Hut – wurde er regelrecht bestochen. Alle Doubletten, die Gisbert bei seinem Abschied als Moorbotaniker aus der Bibliothek der Bremer Moorversuchsstation mitgenommen hatte, würde Hans bekommen. Dann hat Hans zugesagt… Und nach Gisberts Tode (2001) hat Hans seine gesamte Bibliothek geerbt, die voller Klassiker und Ostliteratur war. Mit persönlichen Briefen und Widmungen von Moorikonen aus West und Ost. Denn Gisbert hatte über alle Jahre hinweg den Austausch mit Ostdeutschland, mit Polen, mit der Tschechoslowakei, mit der Sowjetunion, gepflegt… Die Große-Brauckmann Sammlung ist der Grundstock unserer Moorbibliothek.
    • Joosten, H. 1997. Gisbert Grosse-Brauckmann. Träger der C.A. Weber-Medaille. Telma 27: 1114.
      • Als Gisbert dann im Jahr 1997 das Amt des Vorsitzenden der DGMT-Sektion niederlegte, wurde ihm die höchste Ehrung der DGMT verliehen: die nach seinem illustren Vorgänger im Bremer Moorversuchsstation benannte C.A. Weber Medaille.
        Hans hielt dazu die Laudatio.
    • Couwenberg, J. & Joosten, H. (eds.) 2002. C.A. Weber and the Raised Bog of Augstumal – with a translation of the 1902 monograph by Weber on the “Vegetation and Development of the Raised Bog of Augstumal in the Memel delta”.
      • Die Übersetzung und Bearbeitung der klassischen Moormonografie von C.A. Weber wurde 2002 dem 2001 verstorbenen „Freund und Lehrer“ Gisbert Grosse-Brauckmann gewidmet.

    Oliver Conz erzählte von den Spannungen, die es im Hessischen Naturschutz gegeben hat zwischen seinem Ziehvater im Naturschutz, dem dominanten und unnachgiebigen Kaufmann und Ornithologe Willy Bauer (1930-1991) und Gisbert Große-Brauckmann (1926-2001), der ähnlich getrieben, aber ein eher intellektualistischer, sanfter und bescheidener Botaniker war. Unter sich nannten sie ihn Gisbert Große-Brachvogel.

    Gerade diese Vielfalt an Charakteren ist es, die der Naturschutz braucht, um die Natur effektiv zu schützen…

  • Kultusministerin zu Besuch

    Hans Joosten schaut sich gemeinsam mit der Ministerin ein Buch an. Im Hintergrund sind Bücherregale
    Ministerin Bettina Martin studiert das Buch Unbound von Ann Burg (Foto: Uni Greifswald, Martha Bahls)

    Am 20. August 2025 war die Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu Besuch in der Moorbibliothek. Bettina Martin (geb. Girrbach) kommt aus West-Berlin und studierte dort Nordamerikanistik, Politische Wissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Sie war 1987/88 Fulbright-Stipendiatin an der private Wake Forest University im US-Bundesstaat North Carolina, in der Zeit, dass die afroamerikanische Bürgerrechtlerin Maya Angelou dort Hochschullehrerin für American Studies war. Bettina Martin schrieb ihre Diplomarbeit über weibliche Subjektivität in der Gegenwartsliteratur. Nach Arbeit in der politischen Verwaltung wurde sie 2019 zur Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern ernannt, wozu ab 2021 auch Bundes- und Europaangelegenheiten dazu kamen.

    Für ihren Besuch hatten wir folgende Bücher zusammengesucht:

    • Stowe, Harriet Beecher 1856. Dred: a tale of the great Dismal Swamp
    • Silkenat, David 2022. Scars on the Land: An environmental history of slavery in the American South.
    • Bushore, John 2011. Boy in chains: A true story of the Dismal Swamp.
    • Burg, Ann E. 2018. Unbound: A novel in verse.
    • Traylor, Waverley 2010. The Great Dismal Swamp in myth and legend
      • Bücher über die Ausbeutung von Land und Menschen im SO der USA, einschließlich der Geschichte geflüchteter Sklaven, die im Great Dismal Swamp auf der Grenze von Virginia und North-Carolina Zuflucht suchten. Es sind Bücher, die eindrucksvoll vom Recht jedes Menschen auf Freiheit zeugen.
    • Mahon, John K. 1967 History of the second Seminole war 1835 – 1842.
      • Beschreibung des Krieges, durch den 4000 amerikanische Ureinwohner*innen der Seminolen aus Florida vertrieben wurden, wobei eine kleine Gruppe in den Everglades Sümpfen zurückblieb. Unser Buchexemplar ist die Arbeitskopie von Karl May Biograph Berndt Banach.
    • LaBastille, Anne 1980. Women and wilderness.
      • 15 Porträts zeitgenössischer amerikanischer Frauen, deren Leben und Karriere sich um die Natur drehen.
    • Langhoff, Wolfgang 1940. Los pantanos del nazismo.
      • Die spanische Übersetzung und Argentinische Ausgabe (1940) des wichtigen anti-nazistischen Buchs “Die Moorsoldaten” (1934). Eine deutsche Ausgabe erfolgte erst 1946.
    • Wright, Herb E. jr., Coffin, Barbara & Aaseng, Norman E. (eds.) 1992. The patterned peatlands of Minnesota.
      • Über das meist beeindruckenden Moorkomplex der USA. Herausgegeben von Herb Wright, der als Boeing-B-17-Pilot in 1944-1945 u.a. Dresden (mit Bomben) und Amsterdam (mit Brot) bombardiert hat(auf das eine war er stolz, auf das andere nicht, erzählte er Hans einmal). Nachdem die Sowjetunion 1949 ihre erste Atombombe gezündet hatte, testeten die USA im „Kalten Krieg“ ihren neuen Zünder unter extrem kalten Bedingungen, da die eisigen Regionen der Sowjetunion mögliche Ziele sein könnten. In Rahmen der Operation „Deep Freeze“ wurde 1951 die Mark IV-Bombe (ohne nuklearen Kern…), die Weiterführung der Nagasaki-Atombombe Mark III Fat Man, über Red Lake Peatlands gezündet. Ein Pilot war beim Überfliegen beeindruckt von den komplexen Landformmustern im Moor und teilte Luftbilder mit Herb, der inzwischen Professor an der Universität von Minnesota geworden war. Dieser begann daraufhin, die Muster zu erforschen, was letztendlich zu diesem Buch geführt hat. Ein wichtiger Teil der Bibliothek von Herb Wright wurde nach seinem Tode in 2015 zu unserer Moorbibliothek übergebracht.
    • Otte, Lee J. & Ingram, R. 1980. 1980 annual report on peat resources of North Carolina
    • Richardson, Curtis J. 1981. Pocosin wetlands: an integrated analysis of coastal plain freshwater bogs in North Carolina.
    • Riggs, Stanley R. et al. 2011. The battle for North Carolina’s coast. Evolutionary history, present crisis, & Vision for the future.
      • Über Feuchtgebiete in North Carolina, einschließlich der spannenden „pocosin“ („Sumpf auf einem Hügel“ in Algonquian Sprache) Moore, woran Hans gerade im Rahmen eines Kohlenstoffprojektes arbeitet.
    • Cohen, Arthur D. et al. (eds.) 1984. The Okefenokee Swamp: Its natural history, geology and geochemistry.
    • Nelson, Megan K. 2009. Trembling Earth: A cultural history of the Okefenokee Swamp.
    • Aicher, Sara, Joosten, Hans and Noss, Reed 2025. Okefenokee National Wildlife Refuge. Water and Fire in the Land of Trembling Earth. Nomination to the World Heritage List by the United States of America.
      • Okenefokee Swamp wurde 2025 von den USA als UNESCO Weltnaturerbe nominiert. Der Begründungsbericht wurde unter maßgebliche Beteiligung von Hans mit Hilfe der Bücher aus der Moorbibliothek hergestellt.

  • Britischer Botschafter zu Besuch

    Botschafter Andrew Mitchell genießt die Moorbibliothek und ihre Bücher.
    Britischer Botschafter Andrew Mitchell zu Besuch (Foto: Uni Greifswald, Elisabeth Böker)

    Am 1. August 2025 war der Britische Botschafter in Deutschland zu Besuch in der Moorbibliothek. Andrew Mitchell kommt aus Lancashire (Pennines), ist vielsprachig, international und Handel-orientiert. Passend für den Besuch haben wir folgende Bücher zusammen gesucht:

    • De Luc, Jean A. 1779/1780. Lettres physiques et morales sur l’histoire de la terre et de l’homme. Adressees a la Reine de la Grande Bretagne
    • Rennie, Robert. 1807/1810. Essays on the natural history and origin of peat moss:
      • bracht mittels De Luc’s „Lettres“ die Moorkenntnisse Finndorfs in die englischsprachige Welt.
    • Earl of Dundonald, Archibald, C. 1803. A treatise, shewing the intimate connection that subsists between agriculture and chemistry: Addressed to the cultivators of the soil, to the proprietors of fens and mosses, in Great Britain and Ireland; And to the proprietors of West India estates: Interdisziplinarität und Internationalität.
    • Godwin, Harry. 1956 History of the British flora. A factual basis for phytogeography. Und zwar das Exemplar, das Prof. (damals Student) Dicky Clymo als Gewinner des Lilian Clark Preises in 1957 am University College London bekommen hat.
    • Brontë, Emily 2021. Poems from the moor.
    • Hughes, Ted 1979. Moortown diary.
    • Howard, Martin & Janes, Andy 2014. Shaun the sheep – The beast of Soggy Moor.
    • Evans, Martin & Warburton, Jeff 2007. Geomorphology of upland peat: erosion, form and landscape change.
    • McColy, Andrew 2016 The Pennine Way. The path, the people, the journey.
    • Juniper, Tony 2015. What nature does for Britain.
    • Billett, Mike 2023. Peat and whisky: The unbreakable bond.
    • Bain, Clifton 2022. The peatlands of Britain and Ireland: A traveller’s guide.
    • Lindsay, Richard A. , Charman, Dan J., Everingham, Fiona & Ratcliffe, Derek 1988. The Flow Country: the peatlands of Caithness and Sutherland. Über das Gebiet dass 2024 mit Hilfe des Greifswald Moor Centrum zu UNESCO Weltnaturerbe erklärt ist.

    Wir haben uns sehr gefreut über das Interesse und den Austausch. Der Botschafter schrieb nachher:

    „An extraordinary journey around the moors and peatlands of the world. Without ever leaving the magical Greifswald Moor Centrum library! Thank you for the tour!“